• Bürgerstrom aus Windenergie

      Diese Bürgerwindanlage liefert Strom für die Stromkunden der Bürgerwerke

    • Die Bürgerwerke sind zu 100% im Eigentum von Energiegenossenschaften

      Das heißt 100% Transparenz, 100% Mitbestimmung, 100% Wertschöpfung.

    • Die Bürgerwerke bilden eine starke Gemeinschaft

      Anlagen bündeln, Synergien nutzen, Erfahrungen teilen

Dümpeln oder durchstarten?

Wie die Neue Energie Bendorf eG als Mitglied der Bürgerwerke zum bekannten Regionalversorger wurde

Wenn Frank Simonis erzählt, dann spricht er mit tiefer und ruhiger Stimme. Mit seiner besonnenen Art erweckt er den Eindruck, dass er sich so leicht durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Der 49-Jährige lebt mit seiner Ehefrau sowie seinen drei Kindern in Bendorf in Rheinland-Pfalz und geht in Bonn seiner Arbeit als Wirtschaftsmathematiker nach. In seiner Freizeit schmökert er gerne in einem guten Buch, doch den größten Teil seiner freien Zeit verwendet er inzwischen für sein Herzensprojekt: die Neue Energie Bendorf eG.
Als Simonis 2011 von der Nuklearkatastrophe in Fukushima erfuhr, die ganze Landstriche in Japan unbewohnbar machte, sah er die Zeit zum Handeln gekommen. Gemeinsam mit mehreren Mitstreitern aus der Region gründete er die Neue Energie Bendorf eG, die sich für den regionalen Ausbau der Erneuerbaren Energien einsetzt.

Frank Simonis, Vorstand der Neue Energie Bendorf eG (Mitgliedsgenossenschaft der Bürgerwerke)

Rückblickend sagt er über seine persönliche Motivation: „Die Katastrophe in Fukushima war für mich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich habe mir gesagt: So geht das nicht weiter. Wir können unseren Kindern doch nicht so eine kaputte Welt hinterlassen. Es treibt mich an, dass ich einen Beitrag zur Abschaffung der Atomenergie leisten und etwas Konkretes für den Klimaschutz tun kann.“

Mittlerweile geht es Simonis aber um mehr als das: „Ich möchte dabei helfen, dass wir mit der Zeit eine neue Wirtschaftsstruktur aufbauen. Wir Bürger sollten unsere Daseinsvorsorge – und dabei ist Energie ein sehr wichtiger Bereich – nicht ein paar Konzernen überlassen, sondern selbst in die Hand nehmen.“ Dafür braucht es die entsprechenden innovativen Konzepte. Simonis und seinem Gründungsteam gelang es schnell, weitere Menschen aus der Region für die Idee der Genossenschaft zu begeistern und gemeinsam setzten die Energiebürger drei Solarenergieprojekte in Bendorf und Umgebung um. Besonders hilfreich war für Simonis die Unterstützung von seinem ebenfalls ehrenamtlichen Vorstandskollegen Thomas Müller. „Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen“, betont Simonis.

„Wir standen vor der Wahl: Entweder wir gehen mit den Bürgerwerken den nächsten Schritt oder wir werden mit unseren bestehenden Anlagen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag herumdümpeln – letzteres wollten wir auf keinen Fall.“

Frank Simonis
Vorstand Neue Energie Bendorf eG

Die Neue Energie Bendorf eG und die Bürgerwerke: Eine starke Partnerschaft

Von Anfang an war es ein Ziel der Genossenschaft, die Mitglieder und andere Menschen vor Ort mit erneuerbarem Strom zu beliefern. Im Sommer 2014 erfuhr Simonis vom Verbund der Bürgerwerke und nahm Kontakt zu Torsten Schwarz von den Bürgerwerken auf. Simonis erinnert sich: „Herr Schwarz kam kurz darauf bei uns vorbei und stellte dem Vorstand und dem Aufsichtsrat das Konzept der Bürgerwerke näher vor. Unser Kerngeschäftsfeld, also das Projektgeschäft, lief gerade sehr schleppend. Wir standen vor der Wahl: Entweder geht unsere Genossenschaft als Mitglied der Bürgerwerke den nächsten Schritt oder wir werden mit unseren bestehenden Anlagen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag herumdümpeln – letzteres wollten wir auf keinen Fall.“

Die Gremienmitglieder der Genossenschaft wägten ab und diskutierten die Chancen und Risiken: Wie würde sich der Bürgerwerke-Verbund weiterentwickeln? Kann sich das Konzept auf Dauer tragen? Würde man die erforderlichen Investitionen für die Bewerbung des Stromangebots wieder einnehmen können? Welche weiteren Vorteile neben dem Bürgerstrom-Angebot würde eine Mitgliedschaft bieten? Die Entscheidung fiel nach einer Findungsphase von zwei Wochen, in denen zwei längere Sitzungen zu dem Thema stattfanden.
„Letztendlich überwogen die Chancen recht deutlich, sodass wir uns für eine Mitgliedschaft entschieden haben“, berichtet Simonis. „Ausschlaggebend war für uns vor allem, dass wir als Teil der Bürgerwerke den Wunsch, unsere Mitglieder mit erneuerbarem Strom zu versorgen, nun endlich erfüllen konnten. Wir wurden zur echten Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft.“

„Wir haben uns in den letzten beiden Jahren als feste Institution in unserer Region etabliert. Dabei hat uns das Bürgerstrom-Angebot enorm geholfen.“

Frank Simonis
Vorstand Neue Energie Bendorf eG

Die rasante Entwicklung: 100 Stromkunden und Verdoppelung der Mitgliederzahl

Die Genossenschaft hat seitdem eine rasante Entwicklung erfahren. Innerhalb eines Jahres begeisterte die Neue Energie Bendorf über 100 Stromkunden für ihr Bürgerstrom-Angebot, den sogenannten „MykStrom“ (benannt nach dem Autokennzeichen für den Landkreis Mayen-Koblenz). Gleichzeitig verdoppelte sich die Mitgliederanzahl von ca. 100 auf über 210 Mitglieder. „Wir haben uns in den letzten beiden Jahren als feste Institution in unserer Region etabliert. Dabei hat uns das Bürgerstrom-Angebot enorm geholfen“, erzählt Simonis gut gelaunt. „Unsere Stromkunden generieren nun laufende Einnahmen für die Genossenschaft, die wir für die Werbung von weiteren Kunden und Mitgliedern sowie für das Projektgeschäft einsetzen können.“

Besonders hilfreich ist für die Genossenschaft, dass die gesamte Stromkundenbetreuung von der Geschäftsstelle der Bürgerwerke übernommen wird. „Das hält uns den Rücken frei und wir haben vor Ort mehr Zeit für die anstehenden Energieprojekte.“ Und diese Zeit brauchen die Engagierten der Genossenschaft auch: Neben mehreren Solarprojekten stehen ein europaweit einzigartiges Mikro-Strömungsturbinen-Projekt und ein Bürgerwindpark in Mayen an. Die Besonderheit des Windprojekts: Die Neue Energie Bendorf eG möchte 51 % der Betreibergesellschaft erwerben und anderen Energiegenossenschaften ebenfalls Beteiligungen ermöglichen. „Das werden wir Genossenschaften aus der Region, aber natürlich auch anderen Energiegenossenschaften aus der Bürgerwerke-Gemeinschaft, anbieten“, erläutert Simonis. Gerade bei Projekten mit großen Investitionen, wie sie bei einem Windpark erforderlich sind, ergibt es Sinn, dass Genossenschaften zusammenarbeiten.

Bürgerinnnen und Bürger aus Bendorf und Umgebung begutachten die Mikro-Strömungsturbinen.

Simonis sieht den regen Austausch untereinander als eine große Chance des Bürgerwerke-Verbunds und hat dafür ein konkretes Beispiel parat: Die Neue Energie Bendorf eG bietet seit 2015 „GenoPV“-Anlagen zum Mieten an. Der Mieter der Solaranlage muss zu Beginn keine hohe Investition erbringen, sondern mietet die Anlage über 20 Jahre zu einem monatlichen Preis. Nach Ablauf der 20 Jahre kann er die von der Genossenschaft gepflegte Anlage für 1 € erwerben. Solche innovativen Konzepte möchte Simonis gerne mit anderen Genossenschaften teilen: „Für die Ausarbeitung des Modells haben wir viel Zeit und Engagement aufgebracht und können nun auch auf Umsetzungserfahrungen zurückgreifen. Das ist bestimmt auch für viele andere Energiegenossenschaften ein spannendes Thema. Deshalb möchten wir für die anderen Bürgerwerke-Genossenschaften gerne ein Infopaket zusammenstellen, das diese dann einfach herunterladen können.“

„Die Bürgerwerke arbeiten für ihre Mitgliedsgenossenschaften und die Energiewende auf sehr transparente Art und Weise – das soll auf jeden Fall so bleiben.“

Frank Simonis
Vorstand Neue Energie Bendorf eG

Der Blick in die Zukunft

Mittel- bis langfristig möchte die Neue Energie Bendorf mit hauptamtlichem Personal die Energiewende noch wirksamer vorantreiben. Dies wird allerdings erst möglich, wenn der Bürgerwindpark gebaut wird und noch einige neue Bürgerstrom-Kunden gewonnen werden. „Vor zwei Jahren war das noch Spinnerei. Doch mittlerweile haben wir uns gut dafür aufgestellt“, sagt Frank Simonis und lächelt. Für die Bürgerwerke-Gemeinschaft wünscht er sich, dass sie ihre aktuelle Zielsetzung beibehält: „Die Bürgerwerke arbeiten für ihre Mitgliedsgenossenschaften und die Energiewende auf sehr transparente Art und Weise – das soll auf jeden Fall so bleiben.“

Sie möchten Ihre Energiegenossenschaft stärken und sie wie die Neue Energie Bendorf weiterentwickeln? Hier finden Sie Informationen zur Mitgliedschaft bei den Bürgerwerken.

Weiterführende Informationen

Internetseite der Neue Energie Bendorf eG (Informationen zu GenoPV und zum Mikro-Strömungsturbinen-Projekt)

Facebook-Seite der Neue Energie Bendorf eG