Ein Dorf packt an: Tag des Schaffens in Ilvesheim
Gemeinsam für die Zukunft der Region: Am ‚Tag des Schaffens‘ halfen Freiwillige, eine Solaranlage auf dem Dach einer Mehrzweckhalle in Ilvesheim zu installieren. An die Begeisterung, gemeinsam Großes bewirken zu können, erinnern sich die Beteiligten bis heute.
Eine Gemeinschaftsaktion für die Zukunft
Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 verfolgt die Energiegenossenschaft Hohe Waid eG das Ziel, die Region Hirschberg und Umgebung mit Erneuerbarer Energie zu versorgen. Mit über 180 Mitgliedern betreibt die Genossenschaft mehrere Solaranlagen, engagiert sich im Bereich Pelletheizungen und stellt Ladestationen für E-Mobilität zur Verfügung. Der ‚Tag des Schaffens‘ im September 2024 war aber auch für die Engagierten der Hohe Waid eG etwas Besonderes: Hier gingen nicht nur die aktiven Genossenschaftsmitglieder ans Werk, sondern auch viele weitere Menschen aus der Nachbarschaft. Seite an Seite arbeiteten sie mit den Mitgliedern, um die Energiewende vor Ort sicht- und spürbar voranzutreiben.
„Die Begeisterung der Helfer:innen war groß“, sagt Friederike Mauler, Vorständin der Energiegenossenschaft rückblickend. „Viele, die bislang vielleicht nur mit dem Gedanken spielten, sich einzubringen, haben mitgeholfen. Die Dynamik war toll. Es ist einfach schön zu sehen, wie alle mit vollem Einsatz etwas Sinnvolles in ihrer direkten Umgebung tun wollen.“
Bürgerbeteiligung macht den Unterschied
Der ‚Tag des Schaffens‘ war also viel mehr als nur ein Arbeitstag. Er steht für die Kraft gemeinschaftlicher Energieprojekte und für die Bereitschaft, sich für die eigene Region einzusetzen.
Die Aktion der Energiegenossenschaft Hohe Waid hatte sich schnell herumgesprochen. Schon früh am Morgen standen die Helfer:innen einsatzbereit und neugierig vor der Mehrzweckhalle. Nach einer Sicherheitsunterweisung wurden sie je nach Können und Erfahrung in Teams eingeteilt. Wer nicht aufs Dach konnte, übernahm die Verantwortung für das leibliche Wohl oder steuerte eine Drohne für eindrucksvolle Luftaufnahmen.

Ob aus der Bürgerenergie-Genossenschaft, der Nachbarschaft oder der Fachfirma: Hier arbeiteten alle Hand in Hand.
Technik trifft Teamwork
Nachdem alle Aufgaben verteilt waren, rückte die anspruchsvolle Installation der Photovoltaikanlage in den Fokus. Insgesamt 177 Module mussten auf das leicht geneigte Dach der Mehrzweckhalle gebracht und dort montiert werden. Eine besondere Herausforderung war die Inbetriebnahme des Schrägaufzugs, der die schweren Solarmodule nach oben transportierte. Am Ende hatten die vielen helfenden Hände über einen Kilometer Kabel und mehr als 1.400 Klemmen verarbeitet – eine beeindruckende Leistung, die ohne die anpackende Nachbarschaft nie so schnell und reibungslos möglich gewesen wäre.
Fachlich begleitet wurde der Tag von der Firma Xelios, die sicherstellten, dass die Arbeiten sauber ausgeführt werden können. „Ich vergleiche den Bau von Solaranlagen immer mit dem Streichen eines Zimmers“, erklärt Friederike Mauler. „Das Streichen selbst ist für Laien nicht schwierig, aber vorher muss gut ausgemessen, abgeklebt und vorbereitet werden – dafür waren die Expert:innen da. Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert und auch sie waren beeindruckt vom Enthusiasmus aller Beteiligten.“
Für viele Helfer:innen, die vor allem das Tragen der Materialien und das Setzen der Klemmen übernahmen, war es das erste Mal, dass sie an einem solchen Projekt mitwirkten. „Die Arbeit war technisch nicht sehr schwierig, aber körperlich anstrengend. Wir hatten alle an den folgenden Tagen ordentlich Muskelkater“, lacht Andreas Wölfelschneider.
Und Friederike ergänzt: „Wenn die Leute jetzt an der Halle vorbeigehen, können sie sagen: ‚Ich war da oben, ich habe mitgemacht.‘ Das ist nicht nur ein gutes Gefühl, weil sie sehen, wie sie vor Ort etwas bewegen können. Es führt auch dazu, dass über das Projekt gesprochen wird – was wiederum andere dazu bewegt, sich Gedanken zur Energiewende zu machen.”
Die Photovoltaikanlage in Ilvesheim
- Anzahl Module: 177
- Verlegte Kabel: über 1 km
- PV-Anlage: 80 kWp Leistung
- Erneuerbare Stromerzeugung: 74.000 kWh pro Jahr
- Versorgte Haushalte: 25
Photovoltaik für die Region
Seit dem Ende des intensiven Arbeitstages verfügt die Mehrzweckhalle über eine leistungsstarke Photovoltaikanlage, die viel mehr ist als ein Solarprojekt: Sie zeigt, wie Bürgerengagement, Tatendrang und Offenheit für Neues die Energiewende voranbringen. Die Genossenschaft Hohe Waid eG hat bewiesen, dass Bürger-Energieprojekte nicht nur akzeptiert werden. Sie können eine direkte Verbindung zwischen Menschen schaffen, wenn alle anpacken und erkennen: Hier entsteht Gutes – von uns, für uns. Friederike fasst es so zusammen: „Es war unglaublich inspirierend zu erleben, wie Genossenschaftsmitglieder und Nachbar:innen, die zuvor vielleicht nur zugesehen haben, nun dieses Projekt stemmen. Man bleibt mit dem Gefühl zurück, dass die Energiewende machbar ist, wenn alle mit anpacken.“
Stefanie Bickert
unterstützt beim Erzählen der Bürgerwerke-Geschichten
Liebt es, durch gute Geschichten Menschen zu verbinden und tief in Themen einzutauchen. Privat liest sie mindestens genauso gerne wie sie schreibt oder sie probiert neue Rezepte aus ihrer Kochbuchsammlung.