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Auf diesem Bild ist eine Frau zu sehen, die vor einer Solaranlage steht. Sie hält ein Smartphone in der Hand; auf dem Bildschirm ist das Logo der Bürgerwerke zu erkennen.

Energie gemeinschaftlich produzieren und mit einer App teilen: Das soll Energy Sharing möglich machen.

Eintauchen

Sharing is caring: Wie wir Energie gemeinschaftlich nutzbar machen

Die Energiewende wird längst lokal umgesetzt. Bürger-Energiegenossenschaften, Vereine und engagierte Menschen bauen Solaranlagen, investieren gemeinsam und treiben den Ausbau Erneuerbarer Energien voran. Doch der direkt vor der Haustür erzeugte Strom kommt oft nicht bei den Menschen vor Ort an. 

Juna Schönbornvon Juna Schönborn
27.05.2026

Mitglieder von Energiegenossenschaften, lokale Betriebe oder Nachbar:innen profitieren bisher noch nicht direkt von den Anlagen in ihrer Nachbarschaft. Denn was nicht unmittelbar selbst verbraucht wird, wird ins öffentliche Netz eingespeist – vorausgesetzt, die Anlage kann auch angeschlossen werden. So profitieren Mitglieder von Energiegenossenschaften, lokale Betriebe oder Nachbar:innen weniger von den Anlagen über ihren Köpfen oder auf ihren Feldern, als es sinnvoll und möglich wäre. Zum Teil geht der produzierte Strom einfach verloren, weil er nicht abgerufen werden kann. 

Das ist für niemanden gut: Anlagenbetreiber:innen können über den Eigenbedarf hinaus produzierten Strom noch nicht weitergeben und werden nach aktueller energiepolitischer Stoßrichtung dazu gezwungen sein, den Strom entweder selbst an der Börse direkt zu vermarkten oder aber die eigene Anlage entsprechend abzuregeln. Die meisten werden sich aus Mangel an Möglichkeiten für die zweite Lösung entscheiden. 

Gewerbebetriebe sind schwankenden Energiepreisen ausgesetzt, die – wir erleben es gerade erneut – nicht krisenfest sind, da wir immer noch abhängig sind von fossilen Energien. Oft wollen sich die Betriebe nachhaltiger aufstellen und von Energiekrisen unabhängiger machen, sind aber dabei mit vielerlei Hürden konfrontiert. 

Hier ist eine Grafik zu sehen, die den Zusammenhang zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch abbildet. Sie zeigt, dass Verbraucher:innen aktuell kaum von lokal produziertem Strom profitieren.

Mit den aktuellen Rahmenbedingungen profitieren Verbraucher:innen bisher noch zu wenig von lokal produziertem Strom.

Private Haushalte, die nicht die Möglichkeit haben, eine PV-Anlage für den Eigenbedarf zu installieren, werden ganz von den Vorteilen der Energiewende ausgeschlossen. Zugang zu Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen aus ihrer Nachbarschaft haben sie bisher beispielsweise über die Vollversorgung durch die Bürgerwerke Das ist zwar eine gute Alternative, doch viele Menschen wollen noch genauer wissen, woher die Energie stammt, die sie verbrauchen. Und sie wollen ihren Verbrauch selbst steuern. Diese Entwicklung hin zu einem „mündigen Energiebürger:innen” ist eine sehr positive. Es fehlen nur die Umsetzungsideen und die passenden Angebote. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinken hinter dem Bedarf und dem Interesse der Menschen an gemeinschaftlicher Energieversorgung her. 

Was also tun angesichts dieser Hürden und Unsicherheiten? Einfach abwarten, bis die politischen Bedingungen besser werden? Dann wären wir nicht die Bürgerwerke. Unsere Genossenschaften haben noch nie auf die idealen Bedingungen gewartet, bevor sie handelten. Und damit fangen wir auch jetzt nicht an.  

Energy Sharing prägt die Bürgerenergie von morgen

Auf dem Bürgerenergie-Konvent 2026 hat unsere Kollegin Laura Zöckler die Keynote zum Thema Energy Sharing gehalten. Laura gestaltet die Bürgerenergie seit über 15 Jahren aktiv. In ihrem Vortrag zeigt sie, wie Energy Sharing die gemeinschaftliche Erzeugung und Verbrauch von Energie zusammendenkt. 

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„Das muss ja irgendwie gehen”

Warum sollte lokal erzeugter Strom nicht auch lokal genutzt werden können? Oder anders gefragt: Können wir den Strom, der aus einer Erneuerbare-Energien-Anlage stammt, an Nachbar:innen und Betriebe in der Region weitergeben?

Das Konzept, das so etwas ermöglichen soll, heißt „Energy Sharing”. Es verbindet Stromerzeuger:innen und Verbraucher:innen direkt miteinander – innerhalb einer Energiegemeinschaft. Durch den Zusammenschluss entsteht eine neue Form der Energiebeziehung: Statt Strom von einem Großkonzern zu beziehen, wird die Region bei der Umsetzung der Energiewende unterstützt. Ist eine Anlage als Erzeugerin in einer Energiegemeinschaft erfasst, können Menschen und Betriebe aus der Region entscheiden, ihren Strom dort zu beziehen. Wenn die Anlagen innerhalb der Energiegemeinschaft produzieren, erhalten die Verbraucher:innen diesen Strom. Zu allen anderen Zeiten erhalten sie Reststrom von den Bürgerwerken – alles mit einem Vertrag, also Vollversorgung aus einer Hand. 

Verbraucher:innen erhalten außerdem Einblicke in die Stromproduktion und in ihren individuellen Verbrauch. Das macht unsere Energieflüsse transparent und die Versorgung selbstbestimmter. Langfristig festgelegte Preise sorgen für Preisstabilität und Sicherheit bei der Planung.

So werden wir starten

Eine Energiegemeinschaft besteht aus Anlagen und Verbraucher:innen. Für jede Anlage wird ein Energiepreis definiert. Daraus ergibt sich ein errechneter Gemeinschaftstarif. Verbraucher:innen zahlen bei Gleichzeitigkeit den Gemeinschaftstarif und ansonsten den Reststromtarif. 

So wollen wir Energy Sharing künftig ausbauen

Verbraucher:innen wählen ihre Stromversorgung selbst, durch die Auswahl einer oder mehrerer Anlagen, aus denen sie Teile ihres Stroms beziehen. Das könnte sogar bundesweit sein. 

Energy Sharing ist damit weit mehr als ein spannendes Produkt. Es ist ein gesellschaftlicher Ansatz, die Energieversorgung zu demokratisieren. Alle Energie dem Volk, und zwar zu einem guten und langfristig gesicherten Preis” – so könnte der noch etwas ungeschliffene Kampfruf heißen.

Woran wir zurzeit arbeiten

Um Mitgliedsgenossenschaften, Kund:innen und Interessierten zu ermöglichen, Energie zu teilen, arbeiten wir in der Geschäftsstelle der Bürgerwerke aktuell an unseren Energy Sharing-Angeboten: BürgerÖkostrom sharing – der Name ist noch vorläufig – soll lokale Stromerzeugung nachvollziehbar und nutzbar machen. Für Anlagenbetreiber:innen ist der Energy Sharing-Ansatz eine hervorragende Alternative zu einer möglicherweise auslaufenden oder mit dem neuen EEG sinkenden Förderung. Für Verbraucher:innen in der Energiegemeinschaft bedeutet der lokale Strombezug mehr Preissicherheit – sie machen sich unabhängiger von stark schwankenden Energiepreisen. Energy Sharing ermöglicht ihnen, direkt von der Energiewende vor ihrer Haustür zu profitieren, auch wenn sie kein eigenes Dach haben. Das ist bei den Bürgerwerken von Anfang an die Idee gewesen: Alle Menschen sollen an der Energiewende beteiligt werden. Und mit BürgerÖkostrom sind wir an diese Idee bereits nah herangekommen. Mit der Entwicklung verschiedener Konzepte zu Energy Sharing stehen wir vor dem nächsten konsequenten Schritt auf unserem Weg zu mehr Beteiligung an der Energieversorgung. Und wir sind entsprechend aufgeregt.

Hier ist eine Grafik zu sehen, die Energy Sharing nach §42c des EnWG dem Ansatz der Bürgerwerke gegenüberstellt und die Unterschiede auflistet.

Beim Energy Sharing der Bürgerwerke suchen wir eine pragmatische Lösung, bei der alle direkt mitmachen können.

Parallel dazu unterstützen wir auch unsere Mitgliedsgenossenschaften dabei, Lösungen für Energy Sharing zu erarbeiten. So kooperieren wir mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland eG und der egon GmbH, einem österreichischen Plattformanbieter für Energiegemeinschaften, um - zunächst als Pilot in ausgewählten Kommunen – eine Teilversorgung mit Energy Sharing anzubieten. Die Zusammenarbeit ist eine offene Kooperation, in die unterschiedliche Partner:innen ihre Perspektiven, Technologien und Erfahrungen einbringen. Bei einer Teilversorgung mit Energy Sharing werden alle Stromflüsse bei Erzeugung und Verbrauch im Viertelstundentakt gemessen und aus dem Gesamtstromverbrauch herausgerechnet. Dafür benötigen alle Teilnehmenden einen Smart Meter als technische Voraussetzung. Dieser Ansatz soll in Zukunft dynamische lokale Preise ermöglichen, die sich an der tatsächlichen regionalen Erzeugung orientieren. Auch zeitvariable Netzentgelte könnten so genutzt werden. Wir probieren also direkt mehrere Pfade für unterschiedliche Zielgruppen aus und können die aktuell noch nicht etablierten Prozesse nach §42c EnWG mit ersten Marktpartnern pilotieren. Starten wird die Energiegenossenschaft Fünfseenland mit der Kommune Berg in Bayern. Informationen zu diesem Projekt finden alle Interessierten auf der Internetseite der Energiegenossenschaft Fünfseenland. 

Selbstbestimmt: Menschen und Betriebe entscheiden selbst, von welchen Anlagen sie Strom beziehen oder wohin sie liefern. 

Transparent: Es wird sichtbar, woher der Strom kommt und wie er genutzt wird. 

Stabil: Langfristig festgelegte Preise sorgen für mehr Planungssicherheit. 

Ein Blick in den Maschinenraum

Zum wahrscheinlich ersten Mal seit Gründung der Bürgerwerke geben wir öffentlich Einblicke in eine noch laufende Entwicklung. In den nächsten Monaten planen wir, Tests mit einer Pilotgruppe zu machen, um zu lernen, wie wir unsere Ansätze noch besser auf die Bedürfnisse unserer Kund:innen anpassen und unsere Prozesse möglichst nutzerfreundlich aufsetzen können. Anschließend werden wir BürgerÖkostrom sharing für alle Interessierten abschließbar machen können. Verzögerungen im Zeitplan nicht eingerechnet – das kann immer auch vorkommen. Dennoch wollen wir gerne informieren, wo wir in der Entwicklung stehen: 

Da aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen – vor allem § 42c EnWG – noch komplex und schwer umsetzbar sind, setzen wir mit BürgerÖkostrom sharing auf eine pragmatische Lösung: 

  • Energie in Gemeinschaft durch zeitgleiche Zuordnung von Erzeugung und Verbrauch (viertelstundengenau) 
  • Digitale Plattformen, die Transparenz, Visualisierung und Abrechnung ermöglichen 
  • Direkt nutzbar für alle – mit und ohne Smart Meter  

So können wir Energy Sharing bereits heute bundesweit umsetzen, ohne auf die Implementierung der Prozesse bei Netzbetreibern und zukünftige regulatorische Vereinfachungen warten zu müssen. 

Werden Sie Teil der nächsten Stufe der Energiewende in Bürgerhand

Ich würde mich freuen, wenn Sie in den kommenden Wochen in Ihrem Alltag ein wenig die Augen offenhalten. Sehen Sie eine PV-Anlage bei Ihnen an der Bundesstraße auf dem Weg zur Arbeit? Oder ist das Dach einer großen Kirche vielleicht mit Solarmodulen bedeckt? Haben Sie bei Ihren Spaziergängen einen Blick auf einen Windpark? Dann überlegen Sie sich doch einmal: Wäre es für Sie attraktiv, sich Ihren Strom aus diesen Anlagen direkt aus Ihrer Nachbarschaft über eine App zusammenzuklicken? Würden Sie gerne von den Erzeuger:innen in Ihrer Region Strom abnehmen, damit diese weiter die Energiewende vorantreiben können, unabhängig von eventuellen politischen Rahmenbedingungen? 

 Wenn Sie einige dieser Fragen mit „Ja” beantworten, dann tragen Sie sich in unseren Verteiler ein. Dann gehören Sie zu den ersten, die wir informieren, wenn BürgerÖkostrom sharing verfügbar ist.

 Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung. 

Juna Schönborn

Juna Schönborn

Sorgt für stimmige Kommunikation im Innen und Außen

Arbeitet schon lange ausschließlich für Weltverbessernde und findet, alle Menschen sollten das tun. Hält gerne spontane Impulsvorträge beim Mittagessen zu Literatur, Gesellschaftspolitik, Popkultur und Feminismus.