Agri-PV in Bürgerhand – Pionierprojekt im Kraichgau
Ein Bürger-Solarpark direkt an der Autobahn und Agri-PV in Bürgerhand. Die BürgerEnergieGenossenschaft Kraichgau zeigt, woher BürgerÖkostrom kommt und welche Menschen und Projekte Bürgerwerke-Kund:innen mit ihrem Strombezug unterstützen.
Wenn ich auf der A6 Richtung Bad Rappenau fahre, halte ich immer Ausschau nach zwei PV-Anlagen direkt neben der Autobahn: Der Bürger-Solarpark Kirchardt und – ganz neu – die Agri-Photovoltaik-Anlage (Agri-PV) bei Bad Rappenau. Ich habe kein einziges dieser Module selbst angeschraubt und dennoch: es macht was mit mir, wenn ich daran vorbeifahre. Jedes Mal freue ich mich und habe das Gefühl, dass mein Strombezug greifbarer wird. Denn die Anlage Kirchardt ist eine der Anlagen, aus denen unser BürgerÖkostrom kommt. Als Bürgerwerke-Kundin zu wissen, woher mein Strom kommt, macht die unsichtbare Energie für mich greifbarer und mehr noch: Inzwischen bin ich auch Mitglied der Bürgerwerke-Genossenschaft BEG Kraichgau, die diese Projekte mit umgesetzt hat.

Direkt an der Autobahn: der Bürger-Solarpark Kirchardt im Kraichgau.
Wenn mich der Anblick der Anlagen schon so fröhlich stimmt, wie muss es da erst Sarah von Keudell und Florian Oeß gehen, die an den Projekten noch näher dran sind? Sarah kümmert sich um Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der BürgerEnergieGenossenschaft (BEG) Kraichgau, Florian ist Geschäftsführer des TochterunternehmensBürgerEnergie Kraichgau Service GmbH, das „für den Turbo hinter unseren Energiewende-Projekten zuständig ist“, wie Florian sagt. Die Genossenschaftstochter unterstützt die Arbeit des Vorstands der BEG in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Abrechnungen, Projektverwaltung sowie Wartung der Anlagen.
Bürger-Solarpark Kirchardt – Gemeinschaftsleistung in Bürgerhand
Florian war schon bei der Entstehung des Bürger-Solarparks Kirchardt mit dabei. „Das war das erste Freiflächenprojekt, an dem wir uns als BEG Kraichgau beteiligt haben und die Bürgerwerke sind nicht ganz unschuldig daran“, sagt Florian Oeß. Im Rahmen eines Treffens bei den Bürgerwerken in Heidelberg ergab sich 2015 die Möglichkeit einer Beteiligung an dem Projekt. Gleich mehrere Bürgerwerke-Genossenschaften haben für das Projekt ihre Kräfte gebündelt: Die EnerGeno Kirchardt als Hauptanteilseigner und Projektierer, die BEG Neckar-Odenwald und die BEG Zabergäu und natürlich die BEG Kraichgau. Betrieben wird die BürgerÖkostrom-Anlage von der Bürgerwerke-Genossenschaft EnerGeno.
Auf einer ehemaligen Erddeponie und entlang eines Teils des Lärmschutzwalls südlich der Autobahn A6 sind hier im Kreis Heilbronn rund 11.000 PV-Module mit einer Spitzenleistung von 2.940 kWp verbaut worden. Rund 870 Haushalte können damit jährlich mit Ökostrom versorgt werden – dafür sorgen die Bürgerwerke. Die BürgerÖkostrom-Kund:innen wiederum fördern mit jeder verbrauchten Kilowattstunde Bürger-Energiegenossenschaften wie die BEG Kraichgau und damit auch den Ausbau von Erneuerbare-Energien-Anlagen in Bürgerhand.
Agri-PV im Kraichgau – Doppelnutzen für Mensch und Natur
Die Entstehung des Bürger-Solarparks Kirchardt hat Sarah von Keudell zwar nicht live miterlebt, dafür war sie – zehn Jahre später – ganz vorne mit dabei, als die BEG Kraichgau ein echtes Pionierprojekt umgesetzt hat: die Agri-Photovoltaik-Anlage nahe Fürfeld bei Bad Rappenau. Sie betont, wie wichtig das Projekt für die Energiewende und die Region ist: „Die Agri-PV-Anlage in Bad Rappenau-Fürfeld zeigt beispielhaft, wie Energiewende, Landwirtschaft und bürgergetragenes Engagement erfolgreich zusammenwirken können – regional verwurzelt und mit Relevanz weit über den Kraichgau hinaus."
Ganze 20 Hektar groß ist die Agri-Photovoltaik-Anlage. Hier wird Bio-Landwirtschaft betrieben und gleichzeitig Solarstrom erzeugt. Dafür sind die PV-Module senkrecht aufgestellt. Das sieht auf den ersten Blick ungewohnt aus, ist mit speziellen PV-Modulen aber eine kluge Nutzung der Fläche: Die eingesetzten Module sind bifazial, nehmen Sonnenlicht also auf beiden Seiten auf. Die Ost-West-Ausrichtung dieser PV-Module sorgt für eine gleichmäßige Stromproduktion – mit hohen Erträgen bereits in den Morgen- und Abendstunden.
Zwischen den Modulreihen sind außerdem 13,6 Meter Abstand – ausreichend Platz also, dass auch große, landwirtschaftliche Maschinen zum Einsatz kommen können. Auch der Platz unter den 67 Modulreihen wird genutzt – zum Schutz der Biodiversität. Hier hat die BEG Kraichgau Blühstreifen angelegt, die Lebensraum für Insekten und Bestäuber schaffen. Der Zaun rund um die Anlage ist so gestaltet, dass er für kleine Wildtiere durchlässig bleibt und ihre natürliche Wanderung nicht behindert.
Was ist Agri-PV?
Wenn ein und dieselbe Fläche sowohl landwirtschaftlich als auch zur Erzeugung von Sonnenenergie durch Photovoltaik-Anlagen genutzt wird, sprechen wir von Agri-Photovoltaik, kurz Agri-PV.
Zusätzlich zu der Doppelnutzung von Flächen hat Agri-PV noch weitere Vorteile: Die PV-Module wirken je nach Aufbau als Schattenspender oder als Windschutzwände. Das schützt den landwirtschaftlichen Ertrag bei extremen Wetterereignissen wie Starkregen und Sturmböen, die durch die Klimakrise immer mehr zunehmen.
Agri-PV ist eine Schlüsseltechnologie für die nachhaltige Flächennutzung und sorgt für mehr Akzeptanz für Erneuerbare Energien, wie Florian Oess betont: „Mit dieser Anlage können wir zeigen: Energiewende und Nahrungsmittelproduktion können Hand in Hand gehen und wir schaffen innovative Lösungen, wenn sich Bürger-Energiegenossenschaften mit Unternehmen und Landwirten zusammentun.“

Sarah Schäfer
kümmert sich um die Energie im Marketing-Team
Begeistert von begeisterten Menschen und froh, bei den Bürgerwerken jeden Tag was bewegen zu können. Bringt Bürohund Lemmy mit zur Arbeit und verbringt viel Zeit im Wald. Sie hört Podcasts meistens in doppelter Geschwindigkeit und es vergeht kaum ein Tag, an dem Sarah nicht mindestens einen Podcasttipp abgibt.












