Eine Partnerschaft voller Energie: In Mainz trifft Bürgerenergie auf Bahn-Unternehmen
Auf den Dächern des Mainzer Verkehrsunternehmens vlexx zeigt sich Bürgerenergie in ihrer besten Form. Hier plante, errichtete und betreibt die UrStrom eG eine Solaranlage mit über 700 Modulen, die Klimaschutz und regionale Wertschöpfung vereint. Dank ihr fließt Sonnenstrom direkt ins Firmennetz – und deckt etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs des Unternehmens.
Christoph Würzburger ist Vorstand der UrStrom eG und erinnert sich noch gut an die Anfänge der Energiegenossenschaft. „Das war schon eine echte Aufbruchsstimmung, ein Gefühl von ‚Wir machen das jetzt einfach!‘”, erzählt er. Diese Begeisterung und der Gemeinschaftsgeist trugen die Genossenschaft von der ersten Idee zu einer echten Erfolgsgeschichte. Heute betreibt die UrStrom eG 32 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 2.030 kWp in Mainz und Umgebung. Der produzierte Strom würde für den Jahresverbrauch von circa 440 Vier-Personen-Haushalten ausreichen. Die Anlagen befinden sich auf kommunalen Dächern wie auch auf Hallen von privaten Gewerbetreibenden, die einen Teil des Stroms direkt vor Ort verbrauchen.

Ein LKW liefert die Module an, die mit einem Gabelstapler vorsichtig herausgehoben werden.
Industriedächer – das „Salz in der Suppe”
Ein besonders herausragendes Projekt ist die Photovoltaik-Anlage des Mainzer Verkehrsunternehmens vlexx, die im März 2024 fertiggestellt wurde. Mit 702 Modulen und einer Leistung von 298,35 kWp wird sie jährlich rund 290.000 beeindruckende Kilowattstunden sauberen Strom erzeugen. Für Christoph Würzburger sind große Industriedächer wie die von vlexx das „Salz in der Suppe“. Allein wegen der Größenordnung kann hier enorm viel für die Energiewende bewirkt werden. Anders als bei Privathäusern ist bei diesen Projekten aber kaum etwas Standard. Das Know-How musste sich auch die UrStrom erst erarbeiten – und die entsprechenden Unternehmen überzeugen. „Am Anfang sind Firmen natürlich skeptisch. ‚Eine Bürger:inneninitiative? Können die das?‘ Heute sind wir stolz darauf, eine Photovoltaik-Anlage selbst auf einer Papierfabrik installiert zu haben.” Von den dazugehörigen Brandschutzthemen könnte Würzburger beinahe so viel erzählen wie von der Bürgerenergie.

Die Vorbereitungen für die Montage laufen: Hier sieht man Teile der Unterkonstruktion für die Solarmodule.
Klimaschutz vom Bahndach: Die Herausforderungen eines Großprojektes
Für das Verkehrsunternehmen vlexx übernahm die UrStrom eG die Planung, Investition und Installation der neuen Solaranlage – und kümmert sich nun um den Betrieb. Alle Aufgaben liegen damit in der Hand der Energiegenossenschaft, die die Dächer von vlexx mietet und den mit der eigenen Anlage produzierten Strom anschließend wieder an das Unternehmen verkauft. Dieses sogenannte Betreibermodell ermöglicht es Unternehmen, die Vorteile der Sonnenkraft zu nutzen, ohne sich um zu viele Details kümmern zu müssen. Levin Streit, Projektentwickler für Photovoltaik-Anlagen bei UrStrom und seit zwei Jahren der erste festangestellte Mitarbeiter, nennt es das „Rundum-Sorglos-Paket“. Für das Verkehrsunternehmen bietet es noch einen entscheidenden Mehrwert: Die Anlage deckt etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs und sorgt gleichzeitig für eine nachhaltige Energieversorgung. Oder wie Frank Höhler, Geschäftsführer der vlexx GmbH, es bei der Einweihung formulierte: „Wir sind nicht nur ein Industrieunternehmen, wir sind auch Bürger.“
Leistung: 298,35 kWp
Module: 702 Stück Trina Solar-Module à 425 Wp
Wechselrichter: zwei SMA STP 110-60 und zwei Sungrow SUN200-30KTL-M
Jahresertrag PV: 290.000 kWh
Vermiedenes CO2: 211.000 kg/Jahr
Levin Streit kann von der Arbeit an einem solchen Großprojekt berichten: Zirka 200 Stunden hat er in der Umsetzungsphase investiert und um die 1.200 E-Mails bearbeitet. Da war die Anbahnungsphase der Kooperation mit allein einem halben Jahr Statikprüfung bereits Geschichte. Im Unternehmen hatte Streit eine feste Ansprechpartnerin, die wertvolle Informationen zur Unternehmenssstruktur einbringen konnte und Absprachen erleichterte. „Bei Projekten wie diesem heißt es, ständig Modelle und Möglichkeiten zu prüfen“, sagt Levin Streit. Und dann gibt es noch die kleinen großen Fragen wie: Welcher Aufstellort ist für den Elektroschrank, der den Zeitplan mit seiner langen Lieferzeit sowieso schon verzögert hat, nun noch verfügbar? An der Zusammenarbeit mit den Unternehmen schätzt Streit die Partnerschaftlichkeit und an der UrStrom den Mut der Bürger-Energiegenossenschaft: „Wir trauen uns auch einmal was; das merkt man dann auch an den Projekten, die wir umsetzen.“

Fertig! Fast 300 kWp hat die Anlage und liefert damit ein Viertel des gesamten Strombedarfs des Verkehrsunternehmens.
Ein Vorbild für Klimaschutz und Kooperation
Das Vorzeigeprojekt aus Mainz zeigt: Klimaschutz und Wertschöpfung können Hand in Hand gehen. Und die Zusammenarbeit mit vlexx ist nur ein Anfang: „Wenn man einmal das Vertrauen von so einem Unternehmen gewonnen und die eigene Professionalität bewiesen hat, ist das extrem viel Wert“, sagt Christoph Würzburger. Kein Wunder, dass Levin Streit bereits an den nächsten Unternehmensprojekten arbeitet. Ein Satz von vlexx ist ihm besonders im Kopf geblieben, weil er die Grundlage der Zusammenarbeit so treffend beschreibt: „Unser Kerngeschäft sind Eisenbahnen und nicht Photovoltaik, deshalb brauchen wir einen Partner, der sich damit auskennt.“ Es sieht ganz so aus, als hätten die Unternehmen in Rheinhessen mit der UrStrom eG genau diesen Partner gefunden.

Stefanie Bickert
unterstützt beim Erzählen der Bürgerwerke-Geschichten
Liebt es, durch gute Geschichten Menschen zu verbinden und tief in Themen einzutauchen. Privat liest sie mindestens genauso gerne wie sie schreibt oder sie probiert neue Rezepte aus ihrer Kochbuchsammlung.


